Gericht/Institution:LG Düsseldorf
Erscheinungsdatum:07.01.2016
Entscheidungsdatum:07.01.2016
Aktenzeichen:1 O 68/14
Quelle:juris Logo

Ex-Pächter von Steinway-Haus haftet für verschwundenes Klavier

 

Das LG Düsseldorf hat entschieden, dass der frühere Pächter des Steinway-Hauses in Düsseldorf dafür haftet, dass der Flügel eines Musikpädagogen nicht mehr auffindbar ist.

Der klagende Musikpädagoge hatte im August 2008 dem beklagten Einzelhandelskaufmann Marc H., der die Räume des Steinway-Hauses in Düsseldorf gemietet hatte, seinen Steinway-Flügel B 211 aus dem Jahre 1908 zur Reparatur übergeben. Da beide sich über den Umfang und die Kosten der Reparatur nicht einigen konnten, verblieb der B 211-Flügel bis auf weiteres in der Werkstatt des Beklagten. Als der Musikpädagoge sich im Jahr 2010 entschlossen hatte, die Reparatur nicht durchführen zu lassen, und den Flügel zurückforderte, war der Flügel verschwunden.

Das LG Düsseldorf hat den Beklagten zur Herausgabe des Steinway-Flügel B 211 verurteilt; kann er dies binnen vier Wochen nicht, hat er 3.000 Euro Schadenersatz zu zahlen.

Nach Auffassung des Landgerichts hat der frühere Mieter des Steinway-Hauses das Verschwinden des Flügels zu vertreten. Er hätte den neuen Inhaber der Geschäftsräume, die Firma Steinway Haus Düsseldorf GmbH, ausdrücklich auf das Kundeneigentum an dem Flügel hinweisen müssen als jene Ende 2008 das Geschäftsinventar mit Werkstatt von ihm übernahm; Ende 2008 soll der Flügel noch in der Werkstatt zur Reparatur eingelagert gewesen sein. Zusätzlich hätte der Beklagte den klagenden Musikpädagogen im Jahre 2008 auf die Übernahme der Räume durch die Firma Steinway Haus Düsseldorf GmbH hinweisen müssen. Dann hätte sich der Kläger rechtzeitig um den Verbleib seines Flügels kümmern können. Könne der Beklagte den Steinway-Flügel nun nicht binnen vier Wochen herausgeben, habe er dem klagenden Musikpädagogen den Wiederbeschaffungswert eines gleichwertigen Flügels i.H.v. 3.000 Euro zu zahlen. Aufgrund eines Sachverständigengutachtens sei dieser Wert festgesetzt worden. Danach sei der Marktwert eines Flügels im Wesentlichen am äußeren Erscheinungsbild des Instruments – hier Risse im Resonanzboden – und nicht an dessen subjektiv empfundenen Klang zu bestimmen. Der Kläger habe für das Erbstück zunächst weit mehr, nämlich 25.000 Euro Schadensersatz verlangt.

Gegen das Urteil kann Berufung zum OLG Düsseldorf eingelegt werden.

Quelle: Pressemitteilung des LG Düsseldorf v. 07.01.2016