Gericht/Institution:AG München
Erscheinungsdatum:08.01.2016
Entscheidungsdatum:01.12.2015
Aktenzeichen:213 C 18887/14
Quelle:juris Logo

Reisepreisminderung bei fehlendem Reise-Highlight

 

Das AG München hat entschieden, dass ein entgegen dem Reisevertrag fehlendes Galadinner an Weihnachten zu einer Reisepreisminderung von 15% berechtigen kann.

Ein Ehepaar aus Berlin buchte bei einem Münchner Reiseveranstalter für die Zeit vom 10.12.2013 bis 27.12.2013 eine Flugpauschalreise nach Dubai für 3.196 Euro. Im Reisprospekt des Veranstalters war darauf hingewiesen, dass an Weihnachten für ein obligatorisch zu buchendes Galadinner ein "Festzuschlag" von 350 Euro pro Person zu zahlen ist. In dem Reisepreis, der von dem Ehepaar vor Reiseantritt komplett bezahlt worden ist, war der Zuschlag von insgesamt 700 Euro bereits enthalten. An Heiligabend, den das Ehepaar in einem 5-Sterne Luxus-Resort auf der weltberühmten Palmeninsel in Dubai verbrachte, wurde den Klägern erklärt, dass lediglich ein Dinner-Büffet angeboten wird. Sie nahmen daran teil, mussten jedoch knapp 400 Euro dafür zahlen (185 Euro für das Buffet, den Rest für Getränke). Die Kläger forderten von dem Reiseveranstalter den bezahlten Zuschlag in Höhe von 700 Euro zurück und verlangten für das fehlende Galadinner eine Reisepreisminderung von insgesamt 600 Euro. Der Reiseveranstalter weigerte sich zu zahlen. Er ist der Meinung, dass die geschuldete Reiseleistung erbracht worden ist. Das Festtagsdinner habe aus einem umfangreichen Buffet im festlichen Rahmen bestanden und sei nur versehentlich berechnet worden. Der Veranstalter sei bereit gewesen, den Anteil des gezahlten Betrags, der auf das Buffet entfalle zu erstatten, die Kläger hätten jedoch die Kreditkartendaten nicht mitgeteilt. Das Ehepaar erhob Klage vor dem AG München.

Das AG München hat der Klage stattgegeben.

Nach Auffassung des Amtsgericht ist der Reiseveranstalter zur Zahlung von 1.179,40 Euro verpflichtet. Das Galadinner an Heiligabend sei Bestandteil des Reisevertrags gewesen. Diese Leistung sei nicht erbracht worden und darüber hinaus sei das Abendbuffet auch unstreitig separat berechnet worden. Nach dem objektiven Empfängerhorizont könne unter "Galadinner" – gerade wenn es sich um eine derart hochwertige Leistung zum Preis von 350 Euro pro Person handeln solle – nur ein mehrgängiges Menü, das im festlichen Rahmen mit Bedienung serviert wird, verstanden werden. Da die Leistung komplett nicht erbracht worden sei, sei insoweit eine Minderung von 700 Euro vorzunehmen. Darüber hinaushabe das fehlende Galadinner negative Auswirkungen auf die Gesamtreise gehabt. Es sei nachvollziehbar, dass die Kläger bei einer Reise über Weihnachten gerade den Heiligabend in besonderer Atmosphäre hätten verbringen wollen. Aus dem Reiseprogramm gehe hervor, dass den Klägern an den vorherigen Abenden jeweils ein Abendbuffet bereitgestellt wurde, so dass ein Galadiner an Heiligabend sich hervorgehoben und quasi als vorgesehene "Krönung" der Reise dargestellt hätte. In der Vereitelung eines solchen "Highlights" sei ein Mangel der Reise zu sehen und eine Minderung in Höhe von 15% bezogen auf den Gesamtreisepreis sei angemessen. Dies entspreche einem Betrag von 479,40 Euro.

Das Urteil ist rechtskräftig.

Quelle: Pressemitteilung des AG München v. 08.01.2016


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