Gericht/Institution:LG Nürnberg-Fürth
Erscheinungsdatum:15.01.2016
Entscheidungsdatum:12.01.2016
Aktenzeichen:17 O 3451/14
Quelle:juris Logo

Telefonkarten mangelhaft?

 

Das LG Nürnberg-Fürth hat entschieden, dass eine Telefonkarte nicht mangelhaft ist, wenn mit dieser keine Sondernummern angewählt werden können.

Der Kläger wollte 19.733 Telefonkarten gegen Auszahlung des Guthabens in Höhe von 100.835,63 Euro "umtauschen". In den Jahren 2001 und 2002 bot die Deutsche Telekom AG über eine Tochterfirma als "Calling-Card" bezeichnete Telefonkarten mit dem Motiv "Wolkenlos" an. Die Karten hatten ein Guthaben von 10 DM bzw. 5,11 Euro und wurden damit beworben, dass man mit ihnen in über 80 Ländern der Welt bargeldlos günstig telefonieren könne. Folgt man der Darstellung der Telefongesellschaft, wurde die Calling-Card "Wolkenlos" als Set zusammen mit einem Kopfkissen, einer CD, einem Einmal-Fotoapparat und einem Aufkleber vertrieben. Allerdings mit mäßigem Erfolg: von insgesamt 50.000 Karten seien nur etwa 1.500 verkauft worden. Ca. 48.000 nicht verkaufte Karten seien einem Unternehmen zur Verschrottung übergeben worden. Der Kläger bestreitet das. Er habe die 19.733 Telefonkarten von einem Hausmeisterservice erworben und sieht sich in seinen Erwartungen enttäuscht. Denn mit den Karten sind 0900-er Nummern und die Nummern 01375 - 01379, die Zugang zu sog. Mehrwertdiensten ermöglichen, nicht anwählbar. Eine solche Einschränkung der Verwendbarkeit sei für die jeweiligen Käufer beim Erwerb nicht ersichtlich und auch nicht zu erwarten gewesen. Die Telefonkarten seien deshalb mangelhaft, auch wenn man mit ihnen nach wie vor telefonieren kann. Mit seiner gegen die Deutsche Telekom AG gerichteten Klage verlangt der Kläger deshalb die Auszahlung des Nennwerts der Karten in Höhe von insgesamt 100.835,63 Euro.

Das LG Nürnberg-Fürth hat die Klage abgewiesen.

Nach Auffassung des Landgerichts war nicht entscheidend, ob der Kläger die Karten redlich erworben hatte, was die Deutsche Telekom vehement bestritten hatte. Die Karten seien gar nicht mangelhaft. In rechtlicher Hinsicht komme es letztlich darauf an, was der Käufer einer solchen Karte erwarten durfte. Insoweit müsse man zuvorderst den Wert der Karten in den Blick nehmen. Mit 5,11 Euro könnten Sonderdienste wie etwa eine vom Kläger beispielhaft angeführte Anwalts-Hotline nicht sinnvoll genutzt werden. Auch die Aufmachung der Karte, die gut gelaunte Menschen in Badebekleidung vor tiefblauem, wolkenlosen Himmel zeige, und die zugehörige Werbung, spiele hier eine Rolle. Danach hätten die Erwerber zwar davon ausgehen dürfen, dass die Karte ihnen bargeldloses Telefonieren aus dem Auslandsurlaub ermöglichen würde – was sie auch tue. Die Möglichkeit, Mehrwert- oder Sonderdienste in Anspruch zu nehmen, sei mit dem Verkauf einer derartigen Karte aber nicht versprochen worden.

Das Urteil ist nicht rechtskräftig. Der Kläger kann Berufung zum OLG Nürnberg einlegen.

Quelle: Pressemitteilung des OLG Nürnberg Nr. 1/2016 v. 15.01.2016