Gericht/Institution:Vertretung der Europäischen Kommission in Deutschland
Erscheinungsdatum:21.01.2016
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Europäischer Beschäftigungs- und Sozialbericht 2015

 

Fazit des am 21.01.2016 vorgestellten Beschäftigungs- und Sozialberichts 2015 ist, dass sich die Lage auf den Arbeitsmärkten in der EU insgesamt positiv entwickelt aber nach wie vor noch große Unterschiede zwischen den Mitgliedstaaten bei Wirtschaftswachstum und Beschäftigung bestehen.

Der Beschäftigungs- und Sozialbericht 2015 zeigt Wege zur Beseitigung der Unterschiede zwischen den Mitgliedstaaten auf: Der Schwerpunkt liegt auf der Schaffung von Arbeitsplätzen, einem effizienten Arbeitsmarkt, der Modernisierung des Sozialschutzes und auf Investitionen in Menschen.

Mobilität fördern

Der Bericht belegt, dass mit Hilfe der grenzüberschreitenden Mobilität mehr Jobs geschaffen werden können. Die Zahl der mobilen Arbeitskräfte ist in den letzten beiden Jahrzehnten zwar gestiegen, ihr Anteil an der gesamten Erwerbsbevölkerung ist jedoch nach wie vor gering: Lediglich vier Prozent der EU-Bevölkerung zwischen 15 und 64 Jahren leben in einem anderen Mitgliedstaat als dem, in dem sie geboren wurden. Trotzdem haben mobile EU-Arbeitskräfte tendenziell bessere Beschäftigungsaussichten als die einheimische Bevölkerung. Aufgrund dieser Mobilitätsbewegungen ist die Arbeitslosenquote in einigen der von der Krise am härtesten getroffenen Mitgliedstaaten gesunken, und in den Aufnahmeländern konnte der Personalmangel in einzelnen Bereichen abgebaut werden.

Neue Arbeitswelten

Die Vielfalt unterschiedlicher Arbeitsverträge hat zugenommen, was flexiblere Arbeitsverhältnisse und daher eine höhere Arbeitsmarktbeteiligung erlaubt, aber auch zur Segmentierung des Arbeitsmarktes führen kann. Während durch einige neue Vertragsformen potenzielle Win-win-Situationen entstehen, bewirken andere unsichere Beschäftigungsverhältnisse. Es geht nicht nur um Flexibilität, sondern auch um Sicherheit – dies soll auch in die Entwicklung der europäischen Säule der Sozialrechte einfließen.

Selbständigkeit als Jobmotor und effizientere Arbeitsmärkte

Ein Schwerpunkt des Sozialberichts ist das Potenzial von Selbstständigkeit und Unternehmertum bei der Schaffung neuer Arbeitsplätze. Die Daten zeigen, dass sich z.B. für junge und alte Menschen, Frauen und ethnische Minderheiten der Schritt in die Selbstständigkeit schwieriger gestalten kann. Laut Bericht sind die meisten Menschen überdies der Meinung, dass sie nicht über die nötigen Fähigkeiten und Kenntnisse für eine Unternehmensgründung verfügen. Der Bericht zeigt gezielte Maßnahmen auf, wie sich dies ändern lässt. Sie reichen vom einfacheren Zugang zu Finanzierungen bis zu Steueranreizen, von unternehmerischer Ausbildung bis zu Betreuungsangeboten für Kinder und ältere Menschen.

Weiteres Thema des Berichts ist die Langzeitarbeitslosigkeit, von der rund elf Millionen Menschen in der EU betroffen sind. Höhere Arbeitsmarkteffizienz lässt sich nur erreichen, wenn die Langzeitarbeitslosigkeit bekämpft wird, da die Chance, wieder einen Arbeitsplatz zu finden, für langzeitarbeitslose Menschen nur halb so groß ist wie für vorübergehend arbeitslose Personen. Die Analyse zeigt, dass Menschen, die bei einer öffentlichen Arbeitsverwaltung gemeldet sind und eine Aus- oder Weiterbildung absolvieren, deutlich höhere Chancen haben, dauerhaft einen Arbeitsplatz zu finden.

Dieser jährlich erscheinende Beschäftigungs- und Sozialbericht umfasst die neuesten Trends im Beschäftigungs- und Sozialbereich. Er bildet die Grundlage für die Kommissionsinitiativen im Bereich der Beschäftigungs- und Sozialpolitik und fließt in die Arbeit für das Europäische Semester, das Paket zur Arbeitskräftemobilität, die Blaue Karte EU, das Paket zu neuen Kompetenzen und den Aufbau der europäischen Säule der Sozialrechte ein.

Quelle: EU-Aktuell v. 21.01.2016