Gericht/Institution:SG Detmold
Erscheinungsdatum:23.02.2016
Entscheidungsdatum:19.03.2015
Aktenzeichen:S 1 U 99/14
Quelle:juris Logo

Sturz bei Firmenlauf als Arbeitsunfall anerkannt

 

Das SG Detmold hat entschieden, dass die Teilnahme an einem Firmenlauf unter dem Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung steht.

Eine 48-jährige kaufmännische Angestellte (Klägerin), hatte im August 2013 an einem Firmenlauf in Berlin teilgenommen. Beim Überqueren einer Straße stürzte die Klägerin und hatte sich dabei Verletzungen am Knie und im Gesicht zugezogen. Der beklagte Unfallversicherungsträger vertrat die Auffassung, es könne nicht unterstellt werden, dass alle Mitarbeiter des Arbeitgebers aufgrund ihrer konditionellen Fähigkeiten in der Lage gewesen wären, an einem solchen Laufwettbewerb teilzunehmen. Vielmehr sei ein Teil der Beschäftigten bereits aufgrund gesundheits- und altersbedingten Einschränkungen gehindert, an einem Firmenlauf teilzunehmen. Als rein sportliche Veranstaltung sei der Firmenlauf auch nicht geeignet, zur Förderung des Gemeinschaftsgedankens in dem Unternehmen beizutragen. Die Gesamtheit der Belegschaft werde nicht angesprochen, sondern nur sportlich interessierte und aktive Beschäftigte. Es sei dabei auch nicht maßgeblich, dass der Arbeitgeber zur Teilnahme an dem Firmenlauf aufgefordert und die damit verbundenen Kosten getragen habe. Außerdem sei die erforderliche Mindestbeteiligungsquote von 20% der Belegschaft nicht erfüllt, da von 30.000 Beschäftigten insgesamt nur 1.200 Mitarbeiter an dem Lauf teilgenommen hätten.

Das SG Detmold hat der Klage stattgegeben.

Nach Auffassung des Sozialgerichts kann eine feste Mindestbeteiligungsquote als starre Grenze ohnehin nicht gefordert werden. Es seien vielmehr immer die konkreten Verhältnisse im Einzelfall im Rahmen der anzustellenden Gesamtbetrachtung ausschlaggebend. Bei einer Quote von 16% sei von einem eindeutigen Missverhältnis nicht auszugehen. Zumindest müsse aus Vertrauensschutzgesichtspunkten Versicherungsschutz bejaht werden, da die Beteiligungsquote zum Zeitpunkt der Anmeldung noch nicht feststehe.

Außerdem sei das Programm so gestaltet, dass der Gemeinschaftsgedanke im Unternehmen im Vordergrund stehe. Insbesondere sei die Gesamtheit der Belegschaft angesprochen worden. Dabei sei zu berücksichtigen, dass der Arbeitgeber in dem Flyer, mit dem zur Teilnahme an der Veranstaltung eingeladen worden sei, ausdrücklich darauf hingewiesen habe, die Streckenlänge von 6,0 km sei für jeden machbar. Interessierte Beschäftigte konnten außerdem sog. Fan-Tickets erhalten, ohne sich an dem Lauf selbst zu beteiligen.

Eine engere Sichtweise verbiete sich bereits deshalb, weil es in jedem Unternehmen (geh-)behinderte Mitarbeiter geben dürfte, die nicht in der Lage seien, auch nur wenige Meter zu gehen. Jeder Betriebsausflug, bei dem auch nur ein kleiner Spaziergang zum Programm gehöre, stünde dann nicht mehr unter dem Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung.

Das Urteil des SG Detmold ist rechtskräftig.

Quelle: Pressemitteilung des SG Detmold v. 23.02.2016