Gericht/Institution:SG Detmold
Erscheinungsdatum:23.02.2016
Entscheidungsdatum:19.03.2015
Aktenzeichen:S 1 U 14/13
Quelle:juris Logo

Hinterbliebenenleistungen nach Unfalltod eines Pressesprechers beim Baden im Meer

 

Das SG Detmold hat entschieden, dass die Hinterbliebenen eines beim Baden im Meer tödlich verunglückten Pressesprechers Anspruch auf die Gewährung von Hinterbliebenenleistungen aus der gesetzlichen Unfallversicherung haben.

Im November 2011 ertrank der Pressesprecher einer internationalen Hilfsorganisation bei einem Badeausflug im Meer. Er hielt sich mit einer Rundfunkreporterin in Ghana auf, um diese während ihrer Recherchearbeiten zu Projekten der Hilfsorganisation zu begleiten. Für den letzten Tag seiner Reise waren abends Abschlussinterviews geplant. Zuvor unternahmen sie einen Badeausflug, bei dem es zu dem tödlichen Unfall kam. Die gesetzliche Unfallversicherung lehnte die Versorgung der beiden minderjährigen Kinder des Verstorbenen ab, da ihrer Auffassung nach der Badeausflug nicht Bestandteil der versicherten Tätigkeit gewesen ist. Dagegen hatten die Hinterbliebenen Klage eingelegt.

Das SG Detmold hat der Klage stattgegeben.

Nach Auffassung des Sozialgerichts ist der Badeunfall als Arbeitsunfall anzuerkennen. Nach den objektiven Umstände und nach den Angaben des Arbeitgebers sei deshalb von einer betriebsbezogenen Tätigkeit auszugehen, weil es zu den Aufgaben des Verstorbenen gehörte, die Journalistin wie ein "Reiseleiter" eng zu begleiten und sie vor möglichen Gefahren zu schützen. Neben der Vermittlung einer möglichst positiven Wahrnehmung des Unternehmens in der Öffentlichkeit gehörte es daher auch zu den Aufgaben des Pressesprechers, gemeinsame Restaurant- oder Marktbesuche durchzuführen und die Journalistin bei Freizeitaktivitäten zu begleiten. Auch wenn das Baden in einem Swimmingpool oder einem See in der Regel zum privaten, unversicherten Bereich gehöre, müsse von diesem Grundsatz eine Ausnahme gemacht werden. Denn der Verstorbene habe die Journalistin – eine leidenschaftliche Schwimmerin und Tiefseetaucherin – zumindest auch in Erfüllung der Anweisung seines Arbeitgebers begleitet. Selbst ohne eine eigene, private Motivation wäre er unter Berücksichtigung der objektiven Kriterien mit der Reporterin schwimmen gegangen. Damit habe er eine seinem Beschäftigungsunternehmen dienende Verrichtung ausgeübt.

Das Urteil des SG Detmold ist rechtskräftig.

Quelle: Pressemitteilung des SG Detmold v. 23.02.2016