Materialien zum Bürgerlichen Gesetzbuch
für das Königreich Sachsen


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Christian Hattenhauer (Universität Heidelberg)
Frank L. Schäfer (Universität Freiburg)
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Bürgerliches Gesetzbuch für das Königreich Sachsen
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Autor:Frank Schäfer
Datum:01.01.2017
Quelle:Eigene Dokumente
Fundstelle:Hattenhauer/Schäfer, Sächsisches BGB, Einleitung, Biografien, II. Justizminister

II. Justizminister

Behr, Johann August Heinrich von

* 13.11.1793 in Freiberg, † 20.2.1871 in Dresden. Jurist, Beamter, Minister. Evangelisch-lutherisch.

Der Sohn eines Pfarrers studierte an der Universität Leipzig von 1811 bis 1813 zunächst Theologie und wechselte dann zum Rechtsstudium, das er 1815 abschloss. Behr entschied sich für die sächsische Staatslaufbahn. 1816 wurde er Aktuar im Kreisamt Schwarzenberg, noch im selben Jahr Justitiar der Gerichte zu Purschenstein, dann in Olbernhau und Rothenthal, 1833 Hofrat und Amtmann von Dresden, 1838 Geheimer Finanzrat am Finanzministerium, 1849 Geheimer Rat und Vorstand der ersten Abteilung des Innenministeriums, 1849 Finanzminister und zuletzt von 1858 bis 1866 Justizminister. Sein unbestritten größtes Verdienst als Justizminister liegt im erfolgreichen Abschluss der Arbeiten zum sächsischen BGB von 1863/65. Behr nahm persönlich an der abschließenden vierten Lesung der Revisionskommission teil. Vor seiner Ministerzeit diente er als stellvertretendes Mitglied der Kommission für Entscheidung über Kompetenzzweifel zwischen Justiz- und Verwaltungsbehörden. Als Staatminister war Behr zugleich Mitglied des Gesamtministeriums, ordentliches Mitglied des Staatsrats und in Evangelicis beauftragter Staatsminister, als Justizminister Vorstand der Prüfungskommission. 1859 wurde er nobilitiert, 1862 zum Domprobst des Domkapitels zu Meißen ernannt. In letzterer Funktion gehörte Behr von 1866 bis 1868 der ersten Kammer des sächsischen Landtags an.

Literatur: DBA I 75, 301, III 59, 173; Hermann Julius Meyer (Hg.), Neues Konversations-Lexikon für alle Stände, Bd, 3, 1858, S. 85 f.; Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie für die gebildeten Stände, Bd. 2, 11. Aufl., 1864, S. 898; Heinrich Theodor Flathe, in: ADB, Bd. 2, 1875, S. 285 – Staatshandbuch für das Königreich Sachsen 1841, S. 47; 1847, S. 49; 1850, S. 41, 43 f., 113; 1863, S. 90, 93 f., 110, 510; Dresdner Journal, Nr. 43, 21.2.1871, S. 194; Leipziger Zeitung, Nr. 45, 22.2.1871 – Josef Matzerath, Aspekte sächsischer Landtagsgeschichte: Präsidenten und Abgeordnete von 1833 bis 1952, 2001, S. 38; ders., Aspekte sächsischer Landtagsgeschichte: Die Mitglieder und Wahlbezirke der sächsischen Landtage (1833-1952), Teil I: 1833-1918, 2011, S. S. 32 f. – Barbara Dölemeyer, Kodifikationen und Projekte, in: Helmut Coing (Hg.), Handbuch der Quellen und Literatur der neueren europäischen Privatrechtsgeschichte, Bd. III/2, 1982, S. 1440 (1558); Christian Ahcin, Zur Entstehung des bürgerlichen Gesetzbuchs für das Königreich Sachsen von 1863/65, 1996, S. 275, 304, 313 f.; Josef Matzerath, Adelsprobe an der Moderne: Sächsischer Adel 1763 bis 1866: Entkonkretisierung einer traditionalen Sozialformation, 2006, S. 317, 320.

GND: 137443935VIAF: 81634621



Braun, Alexander Karl (Carl) Hermann

* 10.5.1807 in Plauen, † 23.3.1868 ebenda. Jurist, Politiker, Rittergutsbesitzer, Advokat, Minister. ∞ Antonie Emilie, geborene Francke. Fünf Kinder. Evangelisch-lutherisch.

Braun stammte aus einer alten, angesehenen Plauener Familie. Er studierte von 1824 bis 1827 an der Universität Leipzig Jura und promovierte dort 1839. Im Anschluss wirkte Braun zunächst in seiner Heimatstadt als Advokat. Von 1837 bis 1848 diente er als Gerichtsverwalter bzw. Gerichtsdirektor für Jößnitz, Obermarxgrün, Röttis, Ruppertsgrün und Unterlosa. Zeitgleich ließ er sich in seiner Heimatstadt Plauen als Advokat nieder. Politisch war der liberal orientierte Braun zunächst als Stadtverordneter in Plauen aktiv. Für die Legislaturperiode 1836/37 wurde er zum stellvertretenden Abgeordneten des 17. städtischen Wahlbezirks in die zweite Kammer des sächsischen Landtags, 1839/40, 1842/43 zum Abgeordneten und 1845/1846 zum Präsidenten dieses Hauses gewählt. Braun setzte sich rechtspolitisch für die Reform des Strafprozesses hin zu Öffentlichkeit und Mündlichkeit ein. In dieser Eigenschaft bereiste er das Rheinland, Belgien, die Niederlande und Frankreich, um Erkenntnisse für die Reform zu gewinnen. Nach dem Sturz der Regierung Könneritz beauftragte ihn der König im März 1848 im Zuge der Revolution mit der Bildung des sog. Märzkabinetts. Dort übernahm er den Vorstand des Gesamtministeriums, das Justizministerium und die provisorische Leitung des Ministeriums des Kultus und öffentlichen Unterricht. Braun scheiterte aber im Kampf mit den demokratischen Kräften im Landtag und trat zum 24. Februar 1849 mit seinem Kabinett zurück. Immerhin erreichte er als Justizminister die Vereins- und Versammlungsfreiheit, die Aufhebung der Zensur und die lange vorbereitete Reform des Gerichtsverfahrens. Danach zog er sich 1849/50 auf sein Mandat als Abgeordneter für den 43. Wahlbezirk in die zweite Kammer des sog. Widerstandslandtags zurück. Die erneute Wahl zum Präsidenten der Kammer nahm Braun nicht an. 1850 verließ er im Zuge der Restauration vorübergehend die Politik und arbeitete mit dem Titel eines Geheimen Regierungsrats als Amtshauptmanns an alter Stätte in Plauen. 1854 verlieh die Universität Greifswald Braun die Ehrendoktorwürde. 1854/55 kehrte er in die Politik an seinen angestammten Platz als Abgeordneter der zweiten Kammer für den 17. städtischen Wahlbezirk zurück. 1857/58 wurde Braun Vizepräsident dieses Hauses, danach blieb er bis 1862 einfacher Abgeordneter. Im Jahr 1867 ging er kurzfristig für den 23. sächsischen Wahlkreis als Abgeordneter in den Konstituierenden Reichstag des Norddeutschen Bundes, wo er der Fraktion der Altliberalen angehörte. Im selben Jahr erwarb Braun das Rittergut Röttis bei Plauen. Ab 1864 wirkte er zusätzlich als Richter am Staatsgerichtshof.

Werke: Hauptstücke des öffentlich-mündlichen Straf-Verfahrens mit Staatsanwaltschaft nach französischer und holländischer Gesetzgebung, 1845.

Literatur: DBA III 109,265; Heinrich Theodor Flathe, in: ADB, Bd. 3, 1876, S. 269; Josef Matzerath, in: Sächsische Biografie, http://saebi.isgv.de/ – Staatshandbuch für das Königreich Sachsen, 1839, S. 111, 118, 122; 1843, S. 95, 100, 104; 1848, S. 87, 95, 99 f., 103; 1850, S. 199 – Max Schwarz, MdR: Biographisches Handbuch der Reichstage, 1965, S. 278; Josef Matzerath, Aspekte sächsischer Landtagsgeschichte: Präsidenten und Abgeordnete von 1833 bis 1952, 2001, S. 63 f., 93; ders., Aspekte sächsischer Landtagsgeschichte: Die Mitglieder und Wahlbezirke der sächsischen Landtage (1833-1952), Teil I: 1833-1918, 2011, S. 143 f., 180-183 – Bernhard Hirschel, Sachsens Regierung, Stände und Volk, 1846, S. 56-83; Bernd-Rüdiger Kern/Tomke Beddies, Ein Beitrag Karl Brauns zur Judenemanzipation: Einleitung und Edition, in: Aschkenas, Bd. 4, 1994, S. 153-162; Christian Ahcin, Zur Entstehung des bürgerlichen Gesetzbuchs für das Königreich Sachsen von 1863/65, 1996, S. 136, 141; Yvonne Biedermann, Karl Braun (1807-1868): Leben und Werk. Jurist und liberaler Politiker im 19. Jahrhundert sowie erster bürgerlicher „Ministerpräsident“ des Königreichs Sachsen 1848, 2009.

GND: 116415584VIAF: 25353153



Carlowitz, Albert von (Pseudonym Alwin von Candia)

* 1.4.1802 in Freiberg, † 9.8.1874 in Kötzschenbroda. Dichter, Jurist, Politiker, Rittergutsbesitzer, Minister. ∞ Johanne Emilie, geborene von Schönberg (* 8.4.1807 in Pfaffroda, † 21.4.1886 in Dresden). Ein Sohn. Evangelisch-lutherisch.

Albert von Carlowitz war der Sohn des adligen Juristen und Ministers Hans Georg von Carlowitz (1772-1840), der an der Verfassung von 1831 mitgearbeitet hatte. Er studierte von 1820 bis 1824 Jura an der Universität Leipzig. Danach begann er seine juristische Karriere als Assessor bzw. Referendar bei der sächsischen Landesregierung in Dresden. Nach einem Intermezzo als Regierungsrat in Sachsen-Coburg-Gotha wurde er 1833 in die Kreisdirektion Zwickau zurückberufen. Dieses Amt gab er 1837 auf. Politisch war er mit seinem Rittergut Naundorf bei Dippoldiswalde seit 1830/31 als Deputierter der Amtsassen im zweiten Corpus der vorkonstitutionellen Ständeversammlung aktiv, wo er zum Kondirektor gewählt wurde. In der konstitutionellen Ära vertrat Carlowitz 1833 bis 1843 die Schönburgischen Rezessherrschaften in der ersten Kammer des sächsischen Landtags, wobei er 1839/40 und 1842/43 als deren Vizepräsident amtierte. Nach einer reichen Erbschaft ernannte der König ihn 1845 auf Lebenszeit zum Mitglied der Rittergutsvertreter in der ersten Kammer. Als „Führer der Hochtorrys“ (Hirschel) wurde er für die Periode 1845/46 zum Präsidenten dieses Hauses gewählt. Von 1846 bis 1848 übte Carlowitz in der Regierung Könneritz das Amt des Justizministers aus. In diese Zeit fallen die Hauptarbeiten zum Entwurf eines sächsischen BGB von 1852. Da er dieses Amt keiner Beamtenkarriere, sondern seinem parlamentarischen Engagement verdankte, gilt er als „erster parlamentarischer Minister“ (Matzerath) Sachsens. Carlowitz konnte im 1849 im sog. Widerstandslandtag ein Mandat in der ersten Kammer als Abgeordneter des 73.-75. Wahlbezirks erringen. Nach der Restitution des vormärzlichen Landtags verkaufte er seine Rittergüter und übersiedelte nach Preußen. Dort übernahm er 1850 das Amt eines Kommissars im Verwaltungsrat beim Erfurter Unionsparlament. Carlowitz war von 1853 bis 1855 sowie von 1859 bis 1867 Mitglied der zweiten Kammer des preußischen Landtags. Ab 1862 näherte sich der ursprüngliche Reformkonservative der linksliberalen Fortschrittspartei an. Danach gehörte Carlowitz im konstituierenden Reichstag des Norddeutschen Bunds für Liegnitz der Liberalen Reichspartei bzw. der Freien Vereinigung an. 1871 kehrte er nach Dresden zurück.

Werke: Alwin von Candia’s Gedichte, 1829; Homer’s Ilias in Reimen übersetzt, 2 Bde., 1844; Homer´s Odysee in Reimen übersetzt, 1868.

Literatur: DBA I 179, 274, II 216, 137, III 140, 241-245; Friedrich Karl Biedermann, Carlowitz, in: ADB, Bd. 3, 1876, S. 783-788; Jahrbuch des Deutschen Adels, Bd. 1, 1896, S. 409; Hellmut Kretzschmar, in: NDB, Bd. 3, 1957, S. 144 f.; Josef Matzerath, in: Sächsische Biografie, http://saebi.isgv.de/ – Wissenschaftliche Beilage der Leipziger Zeitung, Nr. 70, 30.8.1874, S. 425-427 – Max Schwarz, MdR: Biographisches Handbuch der Reichstage, 1965, S. 286 f.; Bernd Haunfelder, Biographisches Handbuch für das preußische Abgeordnetenhaus 1849-1867, 1994, S. 77 f.; Josef Matzerath, Aspekte sächsischer Landtagsgeschichte: Präsidenten und Abgeordnete von 1833 bis 1952, 2001, S. 13 f., 39; ders., Aspekte sächsischer Landtagsgeschichte: Die Mitglieder der (kur-)sächsischen Landstände (1763-1831), 2009, S. 80 f.; ders., Aspekte sächsischer Landtagsgeschichte: Die Mitglieder und Wahlbezirke der sächsischen Landtage (1833-1952), Teil I: 1833-1918, 2011, S. 13 f., 38 f. – Bernhard Hirschel, Sachsens Regierung, Stände und Volk, 1846, S. 24, 187; Christian Ahcin, Zur Entstehung des bürgerlichen Gesetzbuchs für das Königreich Sachsen von 1863/65, 1996, S. 81/82 Fn. 102, S, 82 Fn. 104, S. 83.

GND: 116456248VIAF: 49977151



Held, Gustav Friedrich

* 29.5.1804 in Meuselwitz, † 24.4.1857 in Dresden. Jurist, Politiker, Minister, Richter.

Held studierte seit 1822 an der Universität Leipzig Jura und promovierte dort 1828. 1826 bis 1832 lehrte er in Leipzig vornehmlich römisches Recht und Strafrecht, entschied sich dann aber für die Justizlaufbahn. Er wurde 1832 zum Assessor am Schöppenstuhl zu Leipzig, 1835 zum Appellationsrat am Appellationsgericht Bautzen und dann zum Oberappellationsrat am Oberappellationsgericht Dresden ernannt. Zeitweise diente Held als Mitglied der Prüfungskommission am Justizministerium und als Deputierter der Kollegialbehörde beim Innenministerium für Administrativ-Justizsachen. 1839/40 stand er als stellvertretender Abgeordneter der zweiten Kammer des sächsischen Landtags für den 19. städtischen Wahlkreis bereit. Vom 24. Februar bis 2. Mai 1849 wirkte der gemäßigt liberale Held als Mitglied der Übergangsregierung, welche die Märzregierung Brauns ablöste. Er bekleidete dort die Ämter des Justiz- und Kultusministers sowie das Amt des Vorsitzenden des Gesamtministeriums. Held trat zurück, nachdem König Friedrich August II. sich geweigert hatte, die Paulskirchenverfassung in Sachsen zu verkünden. Für die Wahlperiode 1849/50 wechselte er für den 74. Wahlbezirk in die zweite Kammer des sog. Widerstandslandtags, dem er als erster Vizepräsident vorstand. Nach dem Ende der Revolutionszeit blieb Held der allgemeinen Politik fern und konzentrierte sich stattdessen auf die nicht minder wichtige Rechtspolitik, nachdem ihn das Gesamtministerium bereits 1846 zum Mitglied der ersten Kommission zur Ausarbeitung eines sächsischen BGB ernannt hatte. Dazu trat er in das Justizministerium mit dem Titel eines Geheimen Rates ein und arbeitete dort als Ministerialrat für Zivilgesetzgebung am sächsischen BGB weiter. Held gab dem Entwurf von 1852 in seiner Funktion als Referent der Kommission dessen maßgebliche Gestalt. Ferner wählte ihn die zweite Kammer als Richter in den Staatsgerichtshof. Am Lebensende berief ihn die Regierung als Vater des Entwurfs von 1852 in die Revisionskommission. Sehr bald übernahm er dort wiederum das Referentenamt. Held verstarb aber während der Beratungen zum Sachenrecht, so dass andere Kommissionsmitglieder, allen voran der spätere Referent Siebenhaar und Oberappellationsgerichtspräsident Ortloff, dem sächsischen BGB seine endgültige Form gaben.

Werke: Ad legem 14. D. de transactionibus, Diss. Leipzig 1828; Hg. der Neuen Jahrbücher für sächsisches Strafrecht, zusammen mit Gustav Albert Siebdrat u.a., 1844 ff.,; Criminalgesetzbuch und forststrafrechtliche Bestimmungen für das Königreich Sachsen, das Grossherzogthum Sachsen-Weimar-Eisenach, die Herzogthümer Sachsen-Altenburg und Sachsen-Meiningen und das Fürstenthum Schwarzburg-Sondershausen: nebst einem durchlaufenden Commentar zum Handgebrauche bei jeder Art des gerichtlichen Verfahrens, sowie für Universitätsstudien, zusammen mit Gustav Albert Siebdrat, 1848; Über deutsche Nationalgesetzgebung: ein Wort an alle deutsche Regierungen, 1848; Der Entwurf eines bürgerlichen Gesetzbuches für das Königreich Sachsen: in seinem Entstehen und in seinem Systeme dargestellt, 1852; Vortrag über die Verdächtigungen des Bundes der Freimaurer: gehalten in der grossen Loge zu Dresden, den 28. Januar 1852; Erläuterungen zu dem Entwurfe eines bürgerlichen Gesetzbuches für das Königreich Sachsen: zur Entgegnung auf die hierüber ausgesprochen kritischen Bemerkungen; allgemeine und den ersten Theil betreffende Erläuterungen; nebst einem Verzeichnisse der bei dem Drucke des Entwurfes übersehenen Berichtigungen, 1853.

Literatur: DBA I 505, 214, III 374, 138; Heinrich Theodor Flathe, in: ADB, Bd. 11, 1880, S. 680; Meyers Konversationslexikon, 4. Aufl., Bd. 8, 1887, S. 347 – Staatshandbuch für das Königreich Sachsen, 1839, S. 68; 1841, S. 44, 55; 1843, S. 57; 1845, S. 56 f., 115; 1850, S. 46, 57; 1854, S. 60, 68 – Jens Blecher/Gerald Wiemers (Hg.), Die Matrikel der Universität Leipzig, Teilbd. 1, 2006, S. 248; Historische Vorlesungsverzeichnisse der Universität Leipzig, http://histvv.uni-leipzig.de/Josef Matzerath, Aspekte sächsischer Landtagsgeschichte: Präsidenten und Abgeordnete von 1833 bis 1952, 2001, S. 104; ders., Aspekte sächsischer Landtagsgeschichte: Die Mitglieder und Wahlbezirke der sächsischen Landtage (1833-1952), Teil I: 1833-1918, 2011, S. 234 f. – Barbara Dölemeyer, Kodifikationen und Projekte, in: Helmut Coing (Hg.), Handbuch der Quellen und Literatur der neueren europäischen Privatrechtsgeschichte, Bd. III/2, 1982, S. 1440 (1559); Christian Ahcin, Zur Entstehung des bürgerlichen Gesetzbuchs für das Königreich Sachsen von 1863/65, 1996, S. 132 Fn. 112, S. 136-142, 144-171, 256, 264-266, 271 f.

GND: 116681934VIAF: 10603554



Könneritz, Julius Traugott Jacob (Jakob) von

* 31.5.1792 in Merseburg, † 28.10.1866 Gut Lossa bei Wurzen oder Dresden. Jurist, Beamter, Minister, Richter. ∞ Marianne Wilhelmine, geborene Gräfin von Wallwitz (* 17.4.1801, † 6.7.1863 in Marienbad). Fünf Kinder. Evangelisch-lutherisch.

Könneritz war der Sohn einer Gräfin von Hohental und eines kurfürstlichen Stallmeisters. Er studierte 1808 bis 1811 an der Universität Wittenberg und im Anschluss an der Universität Leipzig Jura. Danach wählte er die sächsische Justizlaufbahn. 1811 begann er in Leipzig am Kreisamt und gleichzeitig als Auditor beim Oberhofgericht, 1812 wirkte er am Kammerkollegium in Merseburg. Nach den Befreiungskriegen legte Könneritz sein zweites juristisches Examen ab und wurde 1814 Assessor bei der Landesregierung in Dresden, 1817 Supernumerar-, Hof- und Justizrat, 1818 Amtshauptmann von Grimma, 1821 Appellationsrat am Appellationsgericht Dresden, 1825 Hof- und Justizrat der Landesregierung, 1828 vortragender Rat im Geheimen Kabinett in Funktion des Stellvertreters des Kabinettschefs für innere Angelegenheiten, 1830 Kanzler der Landesregierung, 1831 erster Justizminister unter der neuen Verfassung, bis 1833 zusätzlich Hausminister, 1843 zusätzlich Vorsitzender des Gesamtministeriums. 1846 schied Könneritz als Justizminister und 1848 aus den restlichen Ministerämtern aus. Danach wurde er 1851 in den Staatsgerichtshof und 1855 in den Staatsrat berufen. Sein wohl wichtigster Beitrag zur sächsischen Rechtsgeschichte war das moderne StGB von 1838. Daneben reformierte Könneritz die Gerichtsorganisation. Allerdings widersetzte er sich im Strafverfahren fortschrittlichen Elementen wie der Mündlichkeit und Öffentlichkeit sowie dem Geschworenengericht. Trotz aller Reformschritte sah die Bevölkerung in Könneritz daher mit zunehmendem Alter eine „Säule der Reaktion“ (Witzleben). Weniger bedeutend ist im Vergleich dazu Könneritzʼ Beitrag zum sächsischen BGB. Er leitete ab 1846 die erste Kommission zum sächsischen BGB, schied aus ihr aber 1848 mit dem Ende seiner Ministerämter aus.

Werke: Weigerung der Leipziger Ritterschaft, gegen Magdeburg zu ziehn, und das hierauf von Kurfürst Moritz gegen dieselbe, sowie gegen deren Führer, den Oberhauptmann von Könneritz eingeleitete Verfahren 1500 ff., in: Archiv für die Sächsische Geschichte, Bd. 4, 1866, S 123-166; Erasmus von Könneritz in dem Kriegszuge gegen die Türken 1542, a.a.O., Bd. 8, 1870, S. 82-101.

Literatur: DBA II 734, 345, III 505, 58-60; Hans Jürgen Rieckenberg, in: NDB, Bd. 12, 1980, S. 364 f. – Leipziger Zeitung, Nr. 259, 1.11.1866; Moniteur des dates, contenant un million de renseignements biographiques, généalogiques et historiques, publié sous le patronage de Sa Majesté le Roi de Prusse, Januar 1868, S. 172 – Jens Blecher/Gerald Wiemers (Hg.), Die Matrikel der Universität Leipzig, Teilbd. 1, 2006, S. 85 – Bernhard Hirschel, Sachsens Regierung, Stände und Volk, 1846, S. 264-270; Caesar Dietrich v. Witzleben, Julius von Könneritz: ein Erinnerungsblatt, 1868; ders., Julius Traugott Jacob von Könneritz, in: Archiv für die Sächsische Geschichte 7 (1869), S. 1-59; Barbara Dölemeyer, Kodifikationen und Projekte, in: Helmut Coing (Hg.), Handbuch der Quellen und Literatur der neueren europäischen Privatrechtsgeschichte, Bd. III/2, 1982, S. 1440 (1559); Volker Neubert, Julius Traugott Jakob von Könneritz (1792-1866): Sächsischer Justizminister von 1831-1846, in: Sächsische Justizminister 1831 bis 1950: Acht biographische Skizzen, 1994, S. 8-22; Christian Ahcin, Zur Entstehung des bürgerlichen Gesetzbuchs für das Königreich Sachsen von 1863/65, 1996, S. 91 f. Fn. 154, 118-132.

GND: 116294779VIAF: 72141599



Schneider, Robert

* 27.10.1807 in Schleiz, † 4.9.1871 in Pontresina (Schweiz). Jurist, Minister, Professor, Richter.

Schneider stammte aus einer Beamtenfamilie. Nach dem Jurastudium an der Universität Leipzig promovierte er dort 1829 zum Dr. phil. und 1834 zum Dr. iur. Im selben Jahr wurde er dort Privatdozent und 1838 ohne Denomination außerordentlicher Professor. Zeitweise arbeitete er in der Spruchfakultät mit. Schneider unterrichtete dort das ganze Fächerspektrum von der Enzyklopädie und Methodologie über römisches Recht und Deutsches Privatrecht bis hin zum Zivilprozessrecht. 1843 ging er als Appellationsrat an das Appellationsgericht Dresden, wo er 1856 zum Vizepräsidenten und 1859 zum Präsidenten aufstieg. Daneben wirkte er als Richter am Staatsgerichtshof und zeitweise als Kapitular des Kollegiatstifts zu Wurzen. Von 1866 bis zu seinem plötzlichen Tod im Jahr 1871 diente Schneider in den ersten Jahren des sächsischen BGB als Justizminister. Er galt als nationalliberaler Rechtspolitiker. Schneider setzte sich für die Abschaffung der Todesstrafe sowie für die Abschaffung des „Haß- und Verachtungsparagraphen“ im Pressstrafgesetz ein. Auf nationaler Ebene war er maßgebend an der Errichtung des Bundesoberhandelsgerichts beteiligt und sprach sich für eine einheitliche deutsche Rechtsordnung aus. Schneider war nicht nur Mitglied der Revisions-, sondern auch der Redaktionskommission zum sächsischen BGB. In der letzteren Kommission diente er zwischen Held und Siebenhaar temporär als Referent.

Quellen: Hauptstaatsarchiv Dresden, Sig. Bestand 19116, Karton 209, S 97.

Werke: Quaestiones de Servio Sulpicio Rufo, iurisconsulto Romano, 2 Teile, 1834; Index omnium rerum et sententiarum quae in corpore Iuris Iustinianei continentur; 3 Teile 1837-1839, zusammen mit Wilhelm G. Busse; Kritische Jahrbücher für deutsche Rechtswissenschaft, 1837-1848, begonnen von Aemilius Ludwig Richter, fortgeführt von Schneider.

Literatur: Staatshandbuch für das Königreich Sachsen 1841, S. 234; 1843, S. 251; 1857, S. 83; 1858, S. 20, 85, 95; 1865/66, S. 511; Leipziger Zeitung, Nr. 213, 8.9.1871, S. 5353; Nr. 214, 9.9.1871; Nr. 216, 12.9.1871, S. 5418; Allgemeine Zeitung, Nr. 256, 13.9.1871, S. 4508 – Historische Vorlesungsverzeichnisse der Universität Leipzig, http://histvv.uni-leipzig.deErnst Landsberg, Geschichte der Deutschen Rechtswissenschaft, Bd. III/2, 1910, Text, S. 575, Noten, S. 253; Barbara Dölemeyer, Kodifikationen und Projekte, in: Helmut Coing (Hg.), Handbuch der Quellen und Literatur der neueren europäischen Privatrechtsgeschichte, Bd. III/2, 1982, S. 1440 (1559); Christian Ahcin, Zur Entstehung des bürgerlichen Gesetzbuchs für das Königreich Sachsen von 1863/65, 1996, S. 256, 264, 275.

GND: 116837098VIAF: 20442156



Zschinsky, Ferdinand von

* 22.2.1797 in Leubsdorf, † 28.10.1858 in Dresden. ∞ 1) Agnes Marie, geborene Semmler († 28.9.1835 in Dresden), ∞ 2) Bertha Amalie, geborene Bernhard († 2.1.1870). Jurist, Minister, Richter. Zwei Kinder. Evangelisch-lutherisch.

Zschinsky wurde in einfachen Verhältnissen geboren und vom Oberförster Ferdinand August Zschinsky adoptiert. Nach dem Jurastudium in Leipzig von 1815 bis 1818 arbeitete er dort zunächst in der Kanzlei eines Steuerinspektors und als Gerichtsangestellter bei dessen Patrimonialgerichtsverwaltung. 1823 promovierte Zschinsky an der Universität Leipzig, wirkte am Patrimonialgericht und 1828 als Assessor an der Spruchfakultät der Leipziger Juristenfakultät. 1829 stieg er zum Hof- und Justizrat für die Landesregierung bzw. am Landesjustizkollegium in Dresden, dann 1835 zum Appellationsrat am Appellationsgericht Dresden und 1845 zum Vizepräsidenten dieses Gerichts auf. Daneben wirkte er von 1833 bis 1845 als Richter am Staatsgerichtshof. Während der Revolution diente Zschinsky vom 7. bis 16. März 1848 in der Nachfolge Falkensteins für zwei Wochen als Innenminister. Nach einem Intermezzo als Vizepräsident des Appellationsgerichts Dresden berief König Friedrich August II. Zschinsky am 2. Mai 1849 unmittelbar vor dem Maiaufstand in die Politik zurück. Er ernannte ihn zum Justizminister und Vorsitzenden des Gesamtministeriums. Wie ein in der Leipziger Zeitung abgedruckter Brief von König Johanns demonstriert, genoss Zschinsky das volle Vertrauen seines Monarchen. Ihm gelang es, zwischen Revolutionären und Reaktionären zu vermitteln und nach dem Maiaufstand die Lage zu beruhigen. In Zschinskys Amtszeit wurden Justiz und Rechtsordnung grundlegend reformiert. Er setzte bis zu seinem Tod im Jahr 1858 nicht nur die Kommissionsarbeit zum sächsischen BGB fort, sondern schaffte auch die Patrimonialgerichtsbarkeit ab und führte 1855 die beiden neuen Gesetzbücher zu Strafrecht und Strafprozessrecht ein. 1856 wurde Zschinsky in den erblichen Adelsstand erhoben.

Werke: De Cambiis Multiplicatis Quae Germanice Dicuntur Prima, Secunda, Tertia, Quarta Wechsel: Dissertatio Inauguralis Iuridica, 1823.

Literatur: Allgemeines Repertorium der neuesten in- und ausländischen Literatur für 1823, Bd. 4, 1823, S. 159 f.; Leipziger Zeitung, Nr. 258, 30.10.1858, S. 5468 f.; Wissenschaftliche Beilage der Leipziger Zeitung, Nr. 91, 14.11.1858, S. 365-367 – Volker Neubert, Dr. Ferdinand von Zschinsky (1797-1858): Sächsischer Justizminister von 1849-1858, in: Sächsische Justizminister 1831 bis 1850: Acht biographische Skizzen, 1994, S. 23-40; Christian Ahcin, Zur Entstehung des bürgerlichen Gesetzbuchs für das Königreich Sachsen von 1863/65, 1996, S. 143 Fn. 156, S. 210-233, 255-257; Christian Eckardt, Ferdinand von Zschinsky – einer der ersten Ministerpräsidenten Sachsens – wurde in Leubsdorf geboren, in: Leubsdorfer Lokalanzeiger Heft 2/2009, S. 1 f.

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