Materialien zum Bürgerlichen Gesetzbuch
für das Königreich Sachsen


Herausgegeben von
Christian Hattenhauer (Universität Heidelberg)
Frank L. Schäfer (Universität Freiburg)
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Bürgerliches Gesetzbuch für das Königreich Sachsen
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Autor:Frank Schäfer
Datum:01.01.2017
Quelle:Eigene Dokumente
Fundstelle:Hattenhauer/Schäfer, Sächsisches BGB, Einleitung, Biografien, I. Monarchen

I. Monarchen

Friedrich August II. (Albert Maria Clemens Joseph Vincenz Aloys Nepomuk Johann Baptista Nikolaus Raphael Peter Xaver Franz de Paula Venantius Felix) von Sachsen

* 18.5.1797 in Weißensee, † 9.8.1854 in Brennbichl, Gemeinde Karrösten (Tirol). Monarch. ∞ Erzherzogin Karoline Ferdinande von Österreich (* 8.4.1801 in Wien, † 22.5.1832 in Dresden). Kinderlos. Römisch-katholisch.

König Friedrich August II. ist nicht mit Kurfürst Friedrich August II. (1696-1763) zu verwechseln, der als August III. Polen und Litauen regierte. Anton von Sachsen (1755-1836) ernannte seinen Neffen Friedrich August nach den Unruhen des Jahres 1830 zum Prinz-Mitregenten. Nach dem Tod des Onkels übernahm Friedrich August 1836 die sächsische Königskrone. Wichtige Reformen des Vormärz fallen in seine Regentschaft: die konstitutionelle Verfassung (1831), die Bauernbefreiung und Städteordnung (1832) sowie das moderne StGB (1838). Nach der Märzrevolution 1848 zeigte Friedrich August reaktionäre Züge, als er im April 1849 den demokratisch gewählten Landtag auflöste und den Dresdner Maiaufstand blutig niederschlagen ließ. Seiner Popularität in der Bevölkerung soll das aber nicht nachhaltig geschadet haben. 1854 verunglückte Friedrich August tödlich in Tirol.

Literatur: DBA I 349, 372 f., II 406, 127 f., III 266, 241-244; Heinrich Theodor Flathe, in: ADB, Bd. 7, 1877, S. 790 f.; Hellmut Kretzschmar, in: NDB, Bd. 5, 1961, S. 576 – Leben Sr. Majestät Friedrich August II., Königs von Sachsen: nach authentischen Quellen zusammengestellt, 3. Aufl., 1856; Rüdiger Wurth (Hg.), Tödliche Postfahrt des König Friedrich August II. von Sachsen in Tirol 1854: eine Dokumentation, 1990; Hans-Christof Kraus, Friedrich August II. (1836-1854), in: Frank-Lothar Kroll (Hg.), Die Herrscher Sachsens: Markgrafen, Kurfürsten, Könige 1089-1918, 2007, S. 237-262; Maria Görlitz, Parlamentarismus in Sachsen: Königtum und Volksvertretung im 19. und frühen 20. Jahrhundert, 2011, S. 37-74.

GND: 118917218VIAF: 40177070



Johann (Nepomuk Maria Joseph Anton Xaver Vincenz Aloys Franz de Paula Stanislaus Bernhard Paul Felix Damasus) von Sachsen (Pseudonym Philalethes)

* 12.1.1801 in Dresden, † 29.10.1873 in Pillnitz. Monarch. ∞ Amalie Auguste Prinzessin von Bayern (* 13.11.1801 in München, † 8.11.1877 in Dresden). Neun Kinder. Römisch-katholisch.

Johann folgte seinem kinderlosen Bruder Friedrich August II. im Jahr 1854 auf den sächsischen Thron. Eine formale Ausbildung hatte er nicht erhalten. Allerdings interessierte sich Johann für Verwaltung, Recht und klassische Philologie. Als Vizepräsident des vorkonstitutionellen Finanzkollegiums (Ernennung 1825) sowie als geborenes Mitglied der ersten Kammer des sächsischen Landtages (seit 1833) verfügte er über einen tiefen Einblick in die Verwaltungsstrukturen und kannte die politischen und wirtschaftlichen Herausforderungen des Königreichs. Johanns Teilnahme an Kollegiensitzungen des Appellationsgerichts verschafften ihm ferner einen Überblick über die sächsische Rechtsordnung und Rechtspraxis. Daneben betrieb er klassische Sprachstudien, die unter dem Pseudonym „Philalethes“ in Übersetzungen zu Dantes „Inferno“ sowie zur „Göttlichen Komödie“ mündeten. 1852 begründete er den Gesamtverein der deutschen Geschichts- und Altertumsvereine mit und fungierte als Vorsitzender des Sächsischen Altertumsvereins.

Nach der Krönung übernahm Johann den ihm verfassungsmäßig zustehenden Vorsitz des Gesamtministeriums und wurde damit sozusagen sein eigener Regierungschef. Unter seiner Herrschaft wurde Sachsen einer der modernsten deutschen Staaten. In den 1860er Jahren sprach er sich für die großdeutsche Lösung aus und stellte sich im deutsch-österreichischen Krieg an die Seite Österreichs. Unter seinen Standesgenossen galt Johann als der „Gelehrte“, „Jurist“ bzw. „Professor“. Weniger positiv fiel das Urteil der sächsischen Politik aus. Obwohl Johann als gemäßigter Konservativer sich an der Ausarbeitung der konstitutionellen Verfassung von 1831 beteiligt hatte und dieser in der Folgezeit positiv gegenüberstand, geriet er im Vormärz in den „Verdacht, ein Reaktionär und ein ultramontan gesinnter Feind der in Sachsen herrschenden luth. Kirche zu sein“ (Blaschke). Der Tumult bei Johanns Inspektion der Leipziger Kommunalgarde im Jahr 1845 trug zum Misstrauen weiter politischer Kreise bei. Obwohl er sich 1848/49 bei der Reaktion zurückhielt, war er auch als König wenig beliebt. Johann „galt als politisch reaktionär, während seine tatsächliche Haltung besser als konservativ-liberal zu bezeichnen wäre“ (Blaschke). Bleibendes Verdienst Johanns ist das sächsische BGB, das er als juristisch interessierter Laie und Monarch nicht nur wohlwollend begleitete, sondern als Deputierter der ersten Kammer und als Teilnehmer der Zwischenkonferenz aktiv förderte.

Werke: Die Göttliche Komödie, unter dem Pseudonym Philalethes übersetzt, 3 Teile, 1. Aufl. Teil 1 und 2 1839/40, 2. Aufl. 1849, Teil 3 1849, weitere Ausgaben 1865, 1904, 1910, 1916, 1927, 1932, 1950, 1960, 1991, 2000; Der Entehrte, unter dem Pseudonym Philalethes, 1885, weitere Ausgabe durch Silke Marburg, 2013; Julius Petzholdt (Hg.), Die Dichtungen des Königs Johann von Sachsen, 1. Aufl. 1879, 2. Aufl. 1880; ders. (Hg.), Proklamationen, Reden, Ansprachen und Briefe des Königs Johann aus der Zeit seiner Regierung, 1880; Otto Schwerdfeger (Hg.), König Johann von Sachsen als Vorkämpfer für Wahrheit und Recht: Reden und Sprüche aus 20 Jahren seines parlamentarischen Wirkens, 1884; Carola, Königin-Witwe von Sachsen (Hg.), Dichtungen des Königs Johann von Sachsen, 1902; Johann Georg Herzog zu Sachsen/Hubert Ermisch (Hg.), Briefwechsel zwischen König Johann von Sachsen und den Königen Friedrich Wilhelm IV. und Wilhelm I. von Preußen, 1911; Johann Georg Herzog zu Sachsen (Hg.), Briefwechsel König Johanns von Sachsen mit Georg Ticknor, 1920; Hellmut Kretzschmar (Hg.), Lebenserinnerungen des Königs Johann von Sachsen: eigene Aufzeichnungen des Königs über die Jahre 1801 bis 1854, 1958.

Literatur: DBA I 608, 117 f., 1073, 141 f., II 658, 304-315, III 444, 391-395;702, 96 f.; Johann Paul v. Falkenstein, in: ADB, Bd. 14, 1881, S. 387-399; Karlheinz Blaschke, in: NDB, Bd. 10, 1974, S. 528 f.Josef Matzerath, Aspekte sächsischer Landtagsgeschichte: Präsidenten und Abgeordnete von 1833 bis 1952, 2001, S. 49; ders., Aspekte sächsischer Landtagsgeschichte: Die Mitglieder und Wahlbezirke der sächsischen Landtage (1833-1952), Teil I: 1833-1918, 2011, S. 98 f. – Johann Paul v. Falkenstein, Zur Charakteristik König Johann’s von Sachsen in seinem Verhältniss zu Wissenschaft und Kunst, 1874; ders., Johann, König von Sachsen: ein Charakterbild, 1. Aufl. 1878, Folgeaufl. 1879; Julius Petzholdt, Das Militärische aus dem Leben des Königs Johann von Sachsen, 1881; Hellmut Kretzschmar, Die Zeit König Johanns von Sachsen: 1854-1873. Mit Briefen und Dokumenten, 1960; Christine Klecker/Klaus-Dieter Wintermann, Wahre Geschichten um König Johann, 1994; Christian Ahcin, Zur Entstehung des bürgerlichen Gesetzbuchs für das Königreich Sachsen von 1863/65, 1996, S. 254, 267, 283; Klaus Günzel, König Johann von Sachsen: Der Gelehrte auf dem sächsischen Thron, in: Katrin Nitzschke (Hg.), Die großen Dresdner: 26 Annäherungen, 2000, S. 179-182; Verein für Sächsische Landesgeschichte (Hg.), König Johann von Sachsen: 1801/1854-1873: ein Blick auf Deutschland, 2000; Uwe John, Romantischer Geist und historischer Sinn: Johann von Sachsen und die deutschen Geschichts- und Altertumsvereine, in: Blätter für deutsche Landesgeschichte, Bd. 137 (2001), S. 199-221; Ingo Zimmermann, Johann von Sachsen, Philalethes: die Zeit vor der Thronbesteigung, 2001; Rainer Groß, Johann 1854-1873, in: Frank-Lothar Kroll (Hg.), Die Herrscher Sachsens: Markgrafen, Kurfürsten, Könige 1089-1918, 2004, S. 263-278; Winfried Müller/Martina Schattkowsky (Hg.), Zwischen Tradition und Modernität: König Johann von Sachsen 1801-1873, 2004; Silke Marburg, Europäischer Hochadel: König Johann von Sachsen (1801-1873) und die Binnenkommunikation einer Sozialformation, 2008; dies., Johann der Ultramontane und Johann der Kirchliche: das konfessionelle Image eines Fürsten der katholischen Diaspora im 19. Jahrhundert, in: Ulrich Rosseaux/Gerhard Poppe (Hg.), Konfession und Konflikt: religiöse Pluralisierung in Sachsen im 18. und 19. Jahrhundert, 2012, S. 303-326.

GND: 118712322VIAF: 264763675




 

 


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