Gericht/Institution:Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg
Erscheinungsdatum:17.07.2017
Entscheidungsdatum:29.06.2017
Aktenzeichen:10 S 436/15
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Staatsministerium muss Umweltinformationen zu Stuttgart 21 herausgeben

 

Der VGH Mannheim hat in einem Streit um die Offenlegung von Umweltinformationen das beklagte Land Baden-Württemberg verpflichtet, dem Kläger Zugang zu verschiedenen Unterlagen des Staatsministeriums im Zusammenhang mit den Baumfällungen für Stuttgart 21 im Oktober 2010 zu gewähren.

Das Staatsministerium hatte einen Antrag des Klägers, eines Bürgers aus dem Stuttgarter Umland, auf Zugang zu Umweltinformationen im Zusammenhang mit den Baumfällungen teilweise abgelehnt. Ein Ordner mit Informationen für die damalige Hausspitze des Staatsministeriums über den Untersuchungsausschuss "Aufarbeitung des Polizeieinsatzes am 30.09.2010 im Stuttgarter Schlossgarten" sowie zwei Vermerke zum Schlichtungsverfahren vom 10.11. bzw. 23.11.2010 seien interne Mitteilungen im Sinne des baden-württembergischen Umweltverwaltungsgesetzes, die nicht herausgegeben werden müssten. Bei den Vermerken zum Schlichtungsverfahren handele es sich zudem ebenso wie bei einem ebenfalls nicht offen gelegten Vermerk des Innenministeriums über die öffentliche Äußerung eines Polizeibeamten zum Polizeieinsatz am 30.09.2010 nicht um Umweltinformationen. Die Herausgabe zweier weiterer im Streit stehender Präsentationen zur Kommunikationsstrategie der zum Verfahren vor dem VGH Mannheim beigeladenen Deutsche Bahn AG müsse verweigert werden, weil die Präsentationen Betriebsgeheimnisse enthielten.
Das VG Stuttgart hatte die Klage abgewiesen. Der Kläger legte Berufung ein.

Der VGH Mannheim hat das erstinstanzliche Urteil des Verwaltungsgerichts geändert und das beklagte Land verpflichtet, dem Kläger Zugang zu den Unterlagen zu gewähren.

Nach Auffassung des Verwaltungsgerichtshofs ist der aus der Aarhus-Konvention sowie der Umweltinformationsrichtlinie der EU übernommene Begriff "Umweltinformationen" im baden-württembergischen Landesrecht europarechts- und völkerrechtskonform weit auszulegen und erfasst alle vom Kläger begehrten Unterlagen. Der Zugang zu internen Mitteilungen dürfe nach Abschluss eines behördlichen Entscheidungsprozesses nicht mehr ohne weiteres verweigert werden. Unabhängig von der Frage, ob die Präsentationen zur Kommunikationsstrategie der Beigeladenen Geschäftsgeheimnisse enthielten, überwiege jedenfalls das öffentliche Interesse an der Offenlegung dieser Unterlagen.

Die Revision zum BVerwG wurde wegen grundsätzlicher Bedeutung zugelassen. Diese kann von dem beklagten Land und der Beigeladenen binnen eines Monats nach Zustellung des Urteils eingelegt werden.

Quelle: Pressemitteilung des VGH Mannheim Nr. 29/2017 v. 17.07.2017


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