Gericht/Institution:SG Osnabrück
Erscheinungsdatum:07.02.2018
Entscheidungsdatum:23.01.2018
Aktenzeichen:S 42 KR 182/16
Quelle:juris Logo

Kostenübernahme einer Fettschürzenresektion durch die gesetzliche Krankenversicherung

 

Das SG Osnabrück hat die gesetzliche Krankenversicherung verpflichtet, der Klägerin den Betrag zu erstatten, welchen sie für eine Fettschürzenresektion aufgewandt hatte.

Die 1979 geborene Klägerin ist Krankenschwester und bei der Beklagten gesetzlich krankenversichert. In der Zeit von November 2013 bis Spätsommer 2015 nahm sie 46 kg ab. Sie wiegt seither bei einer Größe von 170 cm 73,5 kg. Die Klägerin beantragte im Juni 2015 unter Beifügung einer ärztlichen Empfehlung die Kostenübernahme einer Fettschürzenresektion durch die Beklagte. Nach Einholung einer Stellungnahme durch ihren medizinischen Dienst lehnte die Beklagte die Kostenübernahme ab. Die Haut sei durch gute Pflege reizlos, eine zu befürchtende optische Entstellung sei durch ein Mieder kompensierbar. Am 13.01.2017 ließ die Klägerin die Fettschürze entfernen. Hierfür entstanden ausweislich der Rechnung Kosten in Höhe von 5712 Euro, welche durch die Klägerin beglichen wurden.

Das SG Osnabrück hat der auf Kostenerstattung gerichteten Klage der Klägerin in Höhe von 5712 Euro stattgegeben.

Nach Auffassung des Sozialgerichts lagen bei der Klägerin zwar keine funktionellen Einschränkungen mit Krankheitswert und auch keine durch die Fettschürze bedingte behandlungsbedürftige Hauterkrankung vor. Mit der bundessozialgerichtlichen Rechtsprechung könne jedoch ausnahmsweise eine Entstellung Krankheitswert haben und eine Operation rechtfertigen. Eine solche Entstellung habe bei der Klägerin durch die Größe und das Erscheinungsbild der Fettschürze vorgelegen. Nach Inaugenscheinnahme einer Fotodokumentation über den Zustand vor der Operation bestand bei objektiver Betrachtungsweise zu Überzeugung des Sozialgerichts ein Erscheinungsbild, welches ungewöhnlich war und sich nicht mehr innerhalb der Normvarianz bewegte. Dabei habe das Sozialgericht auch das ansonsten schlanke Erscheinungsbild der Klägerin beachtet, welches durch das Herunterhängen der Hautschürze in mindestens zwei Falten deutlich über dem Hosenbund außergewöhnlich prominent sichtbar gewesen sei. Darüber hinaus berücksichtigte das Sozialgericht, dass die Klägerin angesichts der obligaten Berufskleidung als Stationsschwester im Krankenhaus nur begrenzte Möglichkeiten habe, die Hautfalten zu kaschieren.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Es kann mit der Berufung zum LSG Celle-Bremen angefochten werden.

Quelle: Pressemitteilung des SG Osnabrück v. 07.02.2018


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