Gericht/Institution:AG Nürnberg
Erscheinungsdatum:14.05.2018
Entscheidungsdatum:13.07.2017
Aktenzeichen:239 C 1390/17
Quelle:juris Logo

Keine Haftung bei Unfall nach Kleinkindgeräuschen in Reithalle

 

Das AG Nürnberg hat entschieden, dass eine Zuschauerin, deren 3-jähriger Enkel ein bestimmtes Verhalten eines Pferdes in einer Reithalle verursacht haben soll, nicht für die Schäden haftet, die die Besitzerin durch das erschrockene Pferd erlitten hat.

Die Beklagte besuchte im Oktober 2016 zusammen mit ihren damals drei und fünf Jahre alten Enkelkindern eine Reithalle. Sie hielt sich dort im Zuschauerbereich auf. Damit der 3-jährige Enkel besser sehen konnte, setzte die Beklagte diesen auf die Holzbande. Der Enkel, welcher Turnschuhe trug, schlug mit seinen Füßen gegen die Bande, wodurch ein Poltergeräusch entstand. Die Klägerin führte ihr Pferd am Zügel durch die Halle. Dieses soll durch das von dem Enkel der Beklagten verursachte Geräusch erschrocken und nach hinten gegangen sein. Durch die plötzliche Rückwärtsbewegung des Pferdes rutschte die Hand der Klägerin in den Zügel und wurde nach hinten gerissen. Die Klägerin erlitt eine Verletzung an der Schulter. Sie erhob Klage zum AG Nürnberg und verlangte von der Beklagten ein angemessenes Schmerzensgeld von 3.000 Euro sowie Ersatz des Haushaltsführungsschadens i.H.v. 1.879,22 Euro.

Das AG Nürnberg hat die Klage abgewiesen.

Nach Auffassung des Amtsgerichts hat sich bei dem Geschehen letztlich eine Tiergefahr verwirklicht und war der Ablauf für die Beklagte auch nicht vorhersehbar. Dabei sei grundsätzlich davon auszugehen, dass sich der Vorfall so zugetragen habe, wie ihn die Klägerin schildere, aus rechtlichen Gründen sei aber eine Haftung der Beklagten zu verneinen. Zwar sei das Verhalten der Beklagten ursächlich für die Verletzungen der Klägerin, aber dies genüge nicht für eine Haftung. Es sei zusätzlich erforderlich, dass der Schaden der Beklagten auch adäquat zurechenbar sei. An dieser Voraussetzung fehle es. Die Beklagte habe sich überwiegend sozialadäquat verhalten, da der Besuch der Reithalle grundsätzlich erlaubt sei. Es sei auch nachvollziehbar, dass sie ihrem Enkel ermöglichen wollte, den Reitern zuzusehen. Sie habe dann allerdings geringfügig eine Grenze überschritten, weil die Füße des Kindes in das "Reitfeld" hineinragten. Maßgeblich für die Verletzungen der Klägerin sei aber das Verhalten des Pferdes, welches grundsätzlich in der Sphäre der Klägerin liege. Für die Beklagte sei es nicht vorhersehbar und vermeidbar gewesen, dass das Pferd auf das Poltergeräusch so schreckhaft reagieren werde.

Gegen dieses Urteil hat die Klägerin Berufung beim LG Nürnberg-Fürth eingelegt, diese aber nach einem Hinweis des Landgerichts zurückgenommen (Hinweisbeschl. v. 16.10.2017 - 16 S 5049/17). Das Landgericht hat ausgeführt, dass die rechtliche Würdigung des Amtsgerichts zutreffend sei. Die Beklagte sei auch vor Betreten der Reithalle nicht darauf hingewiesen worden, dass man sich dort geräuscharm verhalten müsse. Ein solcher Hinweis hätte u.a. beinhalten müssen, dass Pferde auch durch alltägliche Geräusche, wie z.B. das Treten eines Kleinkindes gegen die Innenseite der Absperrung, erschreckt werden könnten.

Quelle: Pressemitteilung des OLG Nürnberg Nr. 14/2018 v. 14.08.2018


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