Gericht/Institution:ArbG Köln
Erscheinungsdatum:07.11.2018
Entscheidungsdatum:10.10.2018
Aktenzeichen:7 Ca 3099/17 , 7 Ca 3743/17
Quelle:juris Logo
Norm:§ 104 SGB 7

Kann Kabinenluft im Flugzeug krank machen?

 

Das ArbG Köln hat einen Anspruch zweier Flugbegleiterinnen auf Schadensersatz gegen ihren Arbeitgeber wegen einer Kabinenluftkontamination ("fume event"/"smell event") abgelehnt.

Auf einem Flug von Köln nach Berlin im Jahr 2016 sollen die zwei Flugbegleiterinnen für ca. 45 Minuten einer Kabinenluftkontamination ausgesetzt gewesen sein, bei der ein chemischer Geruch festgestellt wurde. Diesen haben sie vor dem Arbeitsgericht mit dem Geruch von "nassen Socken" verglichen. Die Außenluft soll bei der Durchleitung durch die Triebwerke in die Kabine (sog. Zapfluft) verunreinigt worden sein. Ein ähnlicher Vorfall war bei dem Flugzeug bereits am Tag zuvor aufgetreten. Die Luftverunreinigung soll bei den klagenden Flugbegleiterinnen u.a. zu Übelkeit und Schwindelgefühlen, aber auch zu andauernden neurologischen bzw. kognitiven Beeinträchtigungen geführt haben, weshalb sie Schadensersatz verlangten.

Das ArbG Köln hat die Klagen abgewiesen.

Nach Auffassung des Arbeitsgerichts haben die Klägerinnen nicht gemäß § 104 SGB VII nachweisen können, dass die Fluglinie vorsätzlich gehandelt hat. Die Regelung des § 104 SGB VII beschränke die Haftung des Arbeitgebers im Bereich der gesetzlichen Unfallversicherung auf Vorsatz. Aufgrund einer technischen Überprüfung nach dem Geruchsereignis am Tag zuvor, und aufgrund eines folgenden unproblematischen Fluges habe die Fluglinie nicht mit einem solchen "smell event" rechnen müssen. Ob ein Zusammenhang zwischen "fume events"/"smell events" und Gesundheitsschäden überhaupt wissenschaftlich nachweisbar wäre und ob sich ein solcher bei den Arbeitnehmerinnen realisiert hat, habe deshalb nicht entschieden werden müssen.

juris-Redaktion
Quelle: Pressemitteilung des ArbG Köln v. 07.11.2018


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