Gericht/Institution:AG München
Erscheinungsdatum:19.05.2017
Entscheidungsdatum:07.03.2017
Aktenzeichen:182 C 1266/17
Quelle:juris Logo

Kein Anspruch wegen vertaner Urlaubsfreude neben Minderungsanspruch wegen Flugverspätung

 

Das AG München hat entschieden, dass neben dem Minderungsanspruch wegen erheblicher Flugverspätung wegen dieses Mangels kein weiterer Schadensersatzanspruch wegen entgangener Urlaubsfreude besteht.

Die Klägerin buchte im Dezember 2016 über ein Internetportal bei dem beklagten Reiseveranstalter eine Pauschalreise vom 18.12.2016 bis zum 25.12.2016 nach Antalya zum Gesamtpreis von 792 Euro. Der Abflug sollte am 18.12.2016 um 1.30 Uhr vom Flughafen Hannover aus erfolgen. Ankunft in Antalya sollte um 7 Uhr sein. Am 18.12.2016 teilte das Reisebüro der Klägerin per E-Mail mit, dass sich die Abflugzeit am 18.12.2016 auf 12.50 Uhr und damit um mehr als zwölf Stunden verschoben habe. Neue Ankunftzeit war um 18.10 Uhr. Die Klägerin versuchte daraufhin eine kostenfreie Umbuchung auf einen zeitlich günstigeren Flug zu bekommen, da ihr sonst ein ganzer Urlaubstag verloren gehen würde. Dies wurde jedoch seitens des beklagten Reiseunternehmens abgelehnt. Die Klägerin erhob daraufhin Klage auf Minderung des Reisepreises um 173,25 Euro. Die Flugverschiebung von elf Stunden stelle einen Reisemangel dar. Außerdem bestehe nach Meinung der Klägerin ein Schadensersatzanspruch wegen entgangener Urlaubsfreude beziehungsweise nutzlos aufgewendeter Urlaubszeit.

Das AG München hat der Klägerin teilweise Recht gegeben und den Reiseveranstalter auf Zahlung von 34,65 € wegen der Flugverspätung verurteilt.

Nach Auffassung des Amtsgerichts sind zwar die Abflugzeiten vertraglich nicht bindend vereinbart gewesen, dennoch liege aufgrund der um elf Stunden erheblich späteren Abflugzeit keine hinzunehmende Unannehmlichkeit, sondern ein Reisemangel vor. Das Amtsgericht ging mit der ständigen Rechtsprechung davon aus, dass bezüglich der über vier Stunden hinausgehenden Verspätung jedoch eine Minderung eingetreten ist, die sich pro Stunde auf 5% des Tagespreises beläuft. Der Tagespreis dieser Reise betrug 99 Euro. Eine darüber hinausgehende Minderung sei nicht entstanden. Die Klagepartei übersiehe, dass wegen desselben Mangels nicht mehrfach gemindert werden könne und eine Schadensersatzforderung wegen entgangener Urlaubsfreude nur geltend gemacht werden könne, wenn diese nicht bereits mit der Minderung abgegolten sei. Bei einer Flugverspätung sei dies der Fall. Eine weitergehende erhebliche Beeinträchtigung des Urlaubs lag nicht vor, da die Klägerin noch am gleichen Tag, wenn auch erst abends das Ziel erreichte. Aufgrund des nächtlichen Flug sei dem ersten Urlaubstag ohnehin kein erheblicher Erholungswerk zuzumessen.

Das Urteil ist rechtskräftig.

Quelle: Pressemitteilung des AG München Nr. 37/2017 v. 19.05.2017


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