Gericht/Institution:AG München
Erscheinungsdatum:09.04.2018
Entscheidungsdatum:22.02.2018
Aktenzeichen:844 Ls 381 Js 182428/17
Quelle:juris Logo

Freiheitsstrafe für versuchten Betrug durch falschen Polizeibeamten

 

Das AG München hat einen Angeklagten, der, unter dem Vorwand Polizeibeamter zu sein, das gesamte Ersparte einer Rentnerin abholen wollte, wegen versuchten Betruges zu einer Freiheitsstrafe verurteilt.

Der 41-jährige heroinabhängige, arbeitslose Angeklagte hatte zugegeben, am 21.08.2017 von einem ihm aus der JVA Stadelheim Bekannten, der nachfolgend in die Türkei abgeschoben worden sei, telefonisch aufgefordert worden zu sein, sich als Polizeikommissar auszugeben und bei der geschädigten Witwe einen höheren Geldbetrag abzuholen. Er hätte mit keinen Konsequenzen zu rechnen und solle an seinen letzten Schuss denken. Da er wirklich Drogen gebraucht habe, habe er sich schließlich zur Tat entschlossen. Nach Einstieg mit Marihuana im Alter von 16 Jahren habe er mit 21 Jahren mit dem Heroinkonsum begonnen und sei später dadurch arbeitslos und straffällig geworden. Die Witwe hatte angegeben, am 21.08.2017 gegen 22:00 Uhr unter der Anrufnummer 089/110 von einem "Hauptkommissar Kai Wagner" darüber informiert worden zu sein, dass in einem Notizbuch nahe ihrer Wohnung festgenommener Einbrecher ihr Name und ihre Adresse stehen würde, so dass mit einem Einbruch alsbald auch bei ihr zu rechnen sei. Da bei ihrer Hausbank ein Maulwurf der Bande tätig sei, solle sie nicht nur ihre Wertgegenstände sondern auch ihr abgehobenes Bankguthaben in die Obhut der Polizei geben. Bei weiteren nächtlichen Telefonaten wurde ihr mitgeteilt, dass bei einem weiteren Opfer durch Onlinebanking bereits 46.000 Euro erbeutet worden seien. Aus Furcht veranlasste sie am Folgemorgen um 7:30 Uhr ihre Bank, die Auszahlung von 38.000 Euro vorzubereiten, wobei der angebliche Hauptkommissar das Gespräch über Handyverbindung mithören wollte. Um 8:35 Uhr kontaktierte die misstrauisch gewordene Rentnerin das Polizeipräsidium und wurde ab dann durch Polizeibeamte der AG Phänomene bei allen weiteren Schritten begleitet. Um 11:35 Uhr wurde ihr von "Hauptkommissar Kai Wagner" telefonisch angekündigt, dass nun ein anderer Beamter das Geld abholen werde um die Geldscheine zu markieren und so den Maulwurf bei der Bank überführen zu können. Überdies seien bewaffnete Einbrecher bereits in ihrer Nähe. Nach der Abholung eines Briefumschlages mit dem vermeintlichen Geld um 12:05 Uhr wurde der Angeklagte vorläufig fest und nachfolgend in Untersuchungshaft genommen.

Das AG München hat den Angeklagten wegen versuchten Betruges an der Rentnerin in Tateinheit mit Amtsanmaßung zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und zehn Monaten sowie zur Unterbringung in einer Entziehungsanstalt verurteilt.

Nach Auffassung des Amtsgerichts ist zu Gunsten des Angeklagten zu werten, dass er zum einen geständig war und Untersuchungshaft erlitten hatte. Zu Lasten seien die Vorstrafen des Angeklagten zu werten, der vor geraumer Zeit auch bereits einmal eine 18-monatige Freiheitsstrafe verbüßt habe. Für den Angeklagten sei auch erkennbar gewesen, dass ganz gezielt Opfer ausgewählt werden, die in ihrer Urteilsfähigkeit und in ihrer Fähigkeit sich gegebenenfalls zur Wehr zu setzen und sich dem Geschehen zu verweigern deutlich herabgemindert seien. Ferner sei für den Angeklagten mit Sicherheit erkennbar gewesen, dass nicht nur ein hoher Geldbetrag im absoluten Betragssinne, sondern ein Großteil, wenn nicht gar das gesamte Vermögen einer älteren Person ergaunert werden sollte, was bei dem erwarteten Lebensalter der Geschädigten letzten Endes die vollständige Vernichtung der wirtschaftlichen Existenz bedeutet hätte. Durch die Vortäuschung der Polizeizugehörigkeit sei das Sicherheitsgefühl nicht nur der Geschädigten sondern auch der breiten Bevölkerung erheblich beeinträchtigt. Es sei auch den Ausführungen des Sachverständigen zu folgen gewesen, der bei nicht ausschließbar eingeschränkter Schuldfähigkeit aufgrund Betäubungsmittelkonsumes zum Tatzeitpunkt die für einen Aufenthalt in einer Entziehungseinrichtung notwendige Heilungschance bejaht habe.

Das Urteil ist rechtskräftig.

Quelle: Pressemitteilung des AG München Nr. 26/2018 v. 09.04.2018


Das ganze Wirtschaftsstrafrecht.
Auf einen Klick.

Die Leuchtturmtitel des juris PartnerModul Wirtschaftsstrafrecht

juris PartnerModul Wirtschaftsstrafrecht

Mit der Verbindung führender Werke zum Arbeits-, Insolvenz-, und Steuerstrafrecht problemlos durch vielschichtige Materie des Wirtschaftsstrafrechts.

Jetzt hier gratis testen!

Cookies erleichtern uns die Bereitstellung und Verbesserung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Webseiten erklären Sie sich einverstanden, dass wir Cookies verwenden. Der Nutzung können Sie in unserer Datenschutzrichtlinie widersprechen.

Einverstanden
X