Gericht/Institution:OLG Frankfurt
Erscheinungsdatum:15.05.2018
Entscheidungsdatum:03.05.2018
Aktenzeichen:19 U 188/15
Quelle:juris Logo

Rückabwicklung eines Kaufvertrags über Federzeichnung wegen falscher Urheberschaft

 

Das OLG Frankfurt hat entschieden, dass ein Kunstsammler vom Kauf eine Federzeichnung zurücktreten kann, wenn eine Kunsthändlerin das Werk vorsätzlich einem falschen Künstler zugeschrieben hat.

Der Kläger ist Kunstliebhaber und -sammler. Er erwarb bei der beklagten Kunsthändlerin eine Tuschfederzeichnung. Das Werk war im Katalog der Beklagten mit der Angabe: "Carl Philipp Fohr "Die Schwalbe zu Neckarsteinach" Tuschfederzeichnung in Grauschwarz und Grau über Bleistift 1812" angeboten worden. Die Bildunterschrift lautete "vgl. Carl Rottmann, Ausst. Kat.(...) Abb. 3 (dort fälschlich Carl Rottmann zugeschrieben)." Einige Zeit nach dem Ankauf äußerten Dritte Zweifel an der angegebenen Urheberschaft. Der Kläger forderte daraufhin die Rückabwicklung des Kaufvertrags.
Das Landgericht hat die Klage abgewiesen.

Die hiergegen gerichtete Berufung des Klägers hatte vor dem OLG Frankfurt Erfolg. Das Oberlandesgericht hat die Kunsthändlerin zur Rückabwicklung des Kaufvertrags verpflichtet.

Nach Auffassung des Oberlandesgerichts kann der Kläger die Rückzahlung des Kaufpreises gegen Rückgewähr der Zeichnung verlangen. Die Zeichnung sei mangelhaft, da sie entgegen der Katalogbeschreibung nicht der Hand des dort angegebenen Künstlers zuzuschreiben sei. Das Oberlandesgerichts hat unter Bezugnahme auf höchstrichterliche Rechtsprechung betont, dass die Echtheit eines Kunstwerks im Sinne seiner Herkunft aus der Hand eines konkreten Künstlers maßgeblich die Eignung eines Kunstwerks als Sammlerstück und Wertanlage bestimme. Der im Berufungsverfahren eingeschaltete Sachverständige habe überzeugend festgestellt, dass die Zeichnung tatsächlich "der Schülerschaft von (sehr) jungen Nachwuchskräften bei Friedrich Rottmann entstammt", nicht jedoch von C. Ph. Fohr.

Die Beklagte müsse sich hinsichtlich der unrichtigen Zuordnung der Zeichnung auch arglistiges Handeln vorhalten lassen. Arglist sei bereits dann anzunehmen, wenn der Verkäufer ohne tatsächliche Grundlage unrichtige Angaben über die Mängelfreiheit oder über wesentliche Eigenschaften der Kaufsache mache, die geeignet seien, den Kaufentschluss des Käufers mit zu beeinflussen. So liege es hier. Es sei zwar nicht zu verkennen, dass ein Kunsthändler hinsichtlich der Echtheit der von ihm angebotenen Kunstwerke typischerweise ein erhebliches Risiko treffe. Angesichts eines häufigen Eigentumswechsels sei er häufig gar nicht in der Lage (...), durch zumutbare eigene Nachforschungen Sicherheit über die Echtheit des Werks zu erlangen. Entscheidend sei dann jedoch, dass derjenige der keine hinlängliche Gewissheit haben könne, eine solche Gewissheit gegenüber seinen Kaufinteressenten auch nicht vorgeben dürfe. Dies habe die Beklagte jedoch mit ihrer apodiktischen Formulierung "dort fälschlich Carl Rottmann zugeschrieben" getan.

Das Urteil ist nicht rechtskräftig. Mit der Nichtzulassungsbeschwerde kann die Zulassung der Revision vor dem BGH begehrt werden.

Vorinstanz
LG Frankfurt, Urt. v. 30.07.2015 - 2/26 O 349/14

Quelle: Pressemitteilung des OLG Frankfurt Nr. 18/2018 v. 15.05.2018


Der ganze STAUDINGER Online.
Auf einen Klick.

Die Leuchtturmtitel des juris PartnerModul STAUDINGER Online

juris PartnerModul STAUDINGER Online powered by juris

partnered by Sellier | de Gruyter

Jetzt hier gratis testen!

Cookies erleichtern uns die Bereitstellung und Verbesserung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Webseiten erklären Sie sich einverstanden, dass wir Cookies verwenden. Der Nutzung können Sie in unserer Datenschutzrichtlinie widersprechen.

Einverstanden
X