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Gericht/Institution:Deutscher Juristinnenbund
Erscheinungsdatum:27.04.2020
Quelle:juris Logo

djb fordert Anpassung der juristischen Ausbildung an Pandemie

 

Der Deutschen Juristinnenbund (djb) fordert eine Anpassung der juristischen Ausbildung an die Pandemiesituation, inbesondere für Studierende und Referendare mit betreuungsbedürftigen Kindern.

Während in der Bundesrepublik vieles still steht, geht die juristische Ausbildung ihren Gang. Diese Woche hat an vielen Universitäten die – digitale – Vorlesungszeit begonnen. Die Ausbildung der Referendare wird bereits seit März 2020 im Remote-Modus organisiert. Juristische Staatsprüfungen dieser Kampagne werden nun abgehalten, nachdem sie in einigen Bundesländern verschoben werden mussten.

Diese besondere Situation stelle für alle eine Herausforderung dar, vor allem aber für Studierende und Referendare mit betreuungsbedürftigen Kindern. "Bei der Frage, wie die juristische Ausbildung angesichts der derzeitigen Lage gestaltet werden kann, müssen die Belange von Studierenden und Referendaren mit Sorgeverantwortung und anderen zusätzlichen Belastungen berücksichtigt werden.", fordert Prof. Dr. Maria Wersig, Präsidentin des Deutschen Juristinnenbunds e.V. (djb).

Eltern minderjähriger Kinder erlebten die gegenwärtige Situation als besonders belastend. Für sie sei es derzeit nahezu ausgeschlossen, an Studium oder Referendariat regulär teilzunehmen, geschweige denn, sich adäquat auf anstehende Prüfungen vorzubereiten. Weil Schulen und Kindergärten geschlossen seien, müssten sie ihre Kinder zu Hause betreuen und unterrichten.

Rückzugsmöglichkeiten zum konzentrierten Lernen und Arbeiten fehlten, weil die Universitäten und Bibliotheken vorerst geschlossen seien. Die Kontaktbeschränkungen haben zur Folge, dass private Betreuungsnetzwerke wegbrechen. Etwaige Notbetreuung decke nicht den regulären Betreuungsbedarf ab und sei nicht gleichermaßen verlässlich. "Die gegenwärtige Situation macht besonders deutlich, wie problematisch es ist, dass das Referendariat bislang nicht in Teilzeit absolviert werden kann.", bemerkt Prof. Dr. Maria Wersig.

Die gegenwärtige Krise treffe indes nicht nur Care-Verantwortliche besonders hart, sondern vertiefe und verfestige alle strukturellen Ungleichheitslagen in der juristischen Ausbildung. Die Unsicherheit, wann der normale Lehrbetrieb wieder aufgenommen werde und unter welchen Voraussetzungen und wann Prüfungen abgelegt werden könnten (oder müssten), erhöhe den psychischen Druck, der in der Examensvorbereitung ohnehin schon bestehe. Diese Effekte träfen Examenskandidaten unterschiedlich hart, je nachdem, welche zusätzlichen Belastungen sie nebenher zu bewältigen hätten. Besonders betroffen seien beispielsweise auch diejenigen Studierenden, die sich ihre Ausbildung selbst finanzieren müssen und deren Einnahmequellen nun wegfallen.

Das Problem der fehlenden Kinderbetreuung und Unterstützung bei anderen Belastungssituationen darf nicht privatisiert werden, indem die Betroffenen damit allein gelassen werden. Einige Universitäten und Justizprüfungsämter haben bereits angemessene Lösungen gefunden oder arbeiten daran. Das sei zu begrüßen. Andere hingegen ignorierten die Belange von Care-Verantwortlichen und Angehörigen strukturell benachteiligter Gruppen oder erklären sie zur Privatsache, statt Chancengleichheit in der Ausbildung zu garantieren.

Der djb fordert:
• jetzt die gesetzlichen Rahmenbedingungen für das Referendariat in Teilzeit zu schaffen und Teilzeitmodelle in allen Bundesländern einzuführen;
• die Möglichkeit einzuräumen, Termine für die staatlichen Examensprüfungen um die Dauer der Einschränkungen fakultativ zu verschieben, mindestens aber um sechs Monate;
• eine Regelung zu schaffen, nach der das Sommersemester 2020 flächendeckend nicht auf den Freiversuch und das BAföG angerechnet wird;
• asynchrone Lehrangebote zu schaffen, die zeitlich flexibel genutzt werden können, und bestehende Anwesenheitspflichten während der andauernden Schul- und Kitaschließungen aufzuheben.

juris-Redaktion
Quelle: Pressemitteilung des djb v. 24.04.2020



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