- 08.04.2026
- WIRTSCHAFT UND WETTBEWERB (WuW)
Tarifverträge für Solo-Selbständige: Zum Verhältnis von Wettbewerbs- und Sozialpolitik
Wegen der grundrechtlich verbürgten Koalitionsfreiheit findet das Kartellrecht keine Anwendung auf die Tarifverträge der Sozialpartner. Voraussetzung ist allerdings, dass Arbeitgeber mit Arbeitnehmern verhandeln. Wie aber soll das Kartellrecht reagieren, wenn die Umwälzungen in der Arbeitswelt dazu führen, dass immer mehr Menschen zu Selbständigen werden oder jedenfalls hierzu deklariert werden? Die Europäische Kommission möchte durch ihre Leitlinien zu Tarifverträgen mit „Solo-Selbständigen“ kartellrechtliche Steine aus dem Weg räumen. Dienstleister in der digitalen Plattformwirtschaft und ganz allgemein in der gig economy sollen die Möglichkeit haben, ihre Arbeitsbedingungen kollektiv auszuhandeln, wenn ihre Situation mit derjenigen von Arbeitnehmern vergleichbar ist.
Collective Agreements for solo self-employed persons
The Guidelines on the application of EU competition law to collective agreements regarding the working conditions of solo self-employed persons are a first element of the developing field of labour competition law. The guidelines seek to remove obstacles to collective negotiations between solo self-employed persons and their counterparties. Until now, competition law has only been inapplicable to negotiations between employers and employees. Prospectively, service providers in the gig and digital platform economy may collectively negotiate their working conditions if their situation is comparable to that of employees. The guidelines make an important contribution to legal certainty in the face of fundamental changes to labour markets.
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